Brandschutzlösung sichert Kulturerbe

 

Innovative Brandschutzlösung sichert Jahrhunderte altes Kulturerbe

 

 

Das Historische Archiv des Erzbistums Köln (AEK) bildet das historische Gedächtnis der Erzdiözese. Gegründet im Jahre 1921, stehen die Archivierung sowie die historische Erforschung der Kölner Kirchengeschichte im Vordergrund der Institution. Die einzelnen Schriftgüter, die sich aus dem Erzbischöflichen Generalvikariat und seinen nachgeordneten Stellen, aber auch aus den Dienststellen der Deutschen Bischofskonferenz speisen, sammeln sich auf über 6.000 Regalmeter an.

Bestmöglicher Schutz für kostbare Dokumente

Aufgabe von Archivdirektor Dr. Ulrich Helbach und seinen Mitarbeitern ist es, die bis auf das Jahr 942 zurückgehenden Unikate durch fachgerechte Erschließung aufzubereiten, ihre sachgerechte Aufbewahrung zu sichern und sie interessierten Nutzern wie auch den kirchlichen Dienststellen des Erzbistums zugänglich zu machen. Zugleich sorgt das Team um Dr. Helbach für eine aussagekräftige Dokumentation der Gegenwart und der jüngsten Vergangenheit, damit das heutige Handeln der Kirche nachvollziehbar und transparent ist.
Gemeinsam mit der Registratur ist das Archiv für sämtliche Fragen der Schriftgutverwaltung im erzbischöflichen Generalvikariat zuständig, berät und beaufsichtigt Pfarr-, Dekanats- sowie sonstige kirchliche Archive der Erzdiözese. Die Archivmagazine sind für eine geschichtliche Dokumentation unentbehrlich, da sie Jahrhunderte alte Unikat-Schriftstücke bewahren. „Die archivierten Dokumente sind von unschätzbarem Wert für die Forschung. Deshalb müssen auch besondere Maßnahmen ergriffen werden, um die Schädigung dieser wertvollen Güter in Notsituationen, wie beispielsweise im Brandfall, auf ein Minimum zu begrenzen“, so Dr. Helbach. Ein klassischer Versicherungsschutz existiert für seltene Schriftstücke nicht.
Deswegen müssen die Archivare eigenständig für eine langfristige und sichere Aufbewahrung der Sammlung sorgen. Hier stellt ein gut durchdachtes Risikomanagement eine Pflicht und keine Kür dar. Schäden am Archivinhalt, die durch Personen verursacht werden können, werden nicht nur mit einem Zutrittskontroll-System, das Betreten und Verlassen von Personen protokolliert, reduziert. Auch die ausschließliche Benutzung der Dokumente unter Aufsicht trägt maßgeblich zur Schadenbegrenzung bei. Jedoch kann ein Brand im Archiv nie ganz ausgeschlossen werden. Bis zum Frühjahr 2007 waren zwar bereits Brandmelder implementiert, es gab aber noch keine eigenständigen Löschsysteme für die Magazinräume.
Mit der Planung und Realisierung eines Neubaus sollte dieses Defizit behoben werden.

Neubau mit Sicherheitstechnik ‚State of the Art‘

Der aus dem Jahre 1958 stammende Gebäude-Turm des AEK stellte die Betreiber des Archivs vor größere Probleme, denn die Strukturen des Altbaus wurden mit der Zeit marode, brüchig und vor allem feucht. Zusätzlich bereiteten die durch die Glasbausteinfassade sowie durch mangelnde Isolierung verursachten Temperaturschwankungen den wertvollen Dokumenten des Archivs Schwierigkeiten.
Da im Laufe der Jahrzehnte auch der Platz für die Archivierung knapp zu werden drohte, beschloss die Leitung des Erzbistums einen Neubau, der nahtlos an den Altbau anschließen sollte. „Die fortan in den Untergeschossen befindlichen Magazinräume sollten die archivierten Güter nicht nur vor Feuchtigkeit, sondern auch vor Feuer schützen“, erläutert Archivdirektor Dr. Helbach. „Erklärtes Ziel war es deshalb, die Entstehung eines Feuers auszuschließen bzw. dessen Ausbreitung zu begrenzen“, erklärt der Verantwortliche weiter. Erste Maßnahmen waren Brandschutztüren und Brandschutzwände, die eine räumliche Trennung und somit eine Abtrennung der einzelnen Magazinräume in verschiedene Brandabschnitte bezweckten. Darüber hinaus wurde auch mit einem minimalen Einsatz von Elektronik gearbeitet.
So verzichtete das Archiv bewusst auf Steckdosen in den Archivräumen. Bei der Auswahl einer geeigneten Löschanlage verließen sich die Verantwortlichen neben dem Austausch mit Kollegen auf die Erfahrungen des Kölner Architekturbüros Orend, welche das Neubauprojekt plante und begleitete. Nach einem Abwägen der Vor- und Nachteile der verschiedenen Löschsysteme entschied man sich für die Löschanlage KD-1230 von Kidde Brand- und Explosionsschutz (KBE). KD-1230 stellt für die rund 800 m² großen Magazinräume eine humanverträgliche und umweltfreundliche Brandschutzlösung dar.
Während andere chemische Alternativen bis zu 33 Jahre lang in der Atmosphäre verbleiben, baut sich das bei KD-1230 verwendete Löschmittel Novec 1230 binnen fünf Tagen rückstandslos ab. Zudem führt es nicht zum Ozonabbau. Es hat einen „Ozone Depletion Potential“-Wert von 0, ein „Global Warming Potential“-Wert von 1 und ist unbedenklich in Bezug auf Emissionsbegrenzungen gemäß Kyoto-Protokoll 4. Im Falle des Historischen Archivs wird Löschmittel in sieben Löschmittelflaschen mit je 100 kg flüssig gelagert und beansprucht daher relativ wenig Platz. Bei einer Auslösung der Anlage tritt Novec 1230 an den Löschdüsen gasförmig aus und verteilt sich so im zu schützenden Raum.

Nicht korrosive und elektrisch leitende Eigenschaft schützt Archiv

Bei der Erkennung eines Brandes durch den automatischen Melder oder bei Auslösung des Handmelders werden über eine Steuerzentrale die Alarmierungseinrichtungen ausgelöst. Nach Ablauf einer exakt bestimmten Verzögerungszeit wird der Löschvorgang ausgelöst. Novec 1230 strömt durch Löschdüsen in das zu schützende Magazin. Novec 1230 ist eine farblose, nahezu geruchslose Flüssigkeit, die Kohlenstoff, Fluor und Sauerstoff enthält. Aufgrund der Löscheigenschaften und der kurzen Flutungszeit von maximal 10 Sekunden kann ein Feuer binnen kürzester Zeit gelöscht werden. Von Vorteil ist, dass das von Kidde Brand- und Explosionsschutz eingesetzte Löschmittel hohes Durchdringungsvermögen besitzt und eine homogene Vermischung der erforderlichen Löschkonzentration im Schutzbereich erreicht. Durch die Gasförmigkeit des Löschmittels und die nicht korrosive und nicht elektrisch leitende Eigenschaft erleiden die zu schützenden Güter so gut wie keine Beschädigungen.
Für die gewählte Lösung sprachen nach Dr. Helbachs Einschätzung insbesondere die gesundheitliche Verträglichkeit des Gases und die schnelle Löschung. „Die Brandschutzanlage ist ein elementarer Sicherheitsbaustein für unser Archiv. Das hat sich bereits herumgesprochen und wir tauschen uns mit anderen Archiven und Institutionen über diese Einrichtung aus“, resümiert Dr. Helbach zufrieden.