Botanischer Garten Berlin

Intelligenter Brandschutz sichert wertvolle Pflanzensammlung im Botanischen Garten und Botanischen Museum Berlin-Dahlem

Die Anfänge des Botanischen Gartens und Botanischen Museums Berlin-Dahlem gehen auf das Jahr 1679 zurück. Es ist heute eine botanische Sammlungs- und Forschungseinrichtung von weltweiter Bedeutung. Neben den im Botanischen Garten kultivierten, lebenden Pflanzen findet sich eine Sammlung von etwa 3,5 Mio. gepresster und getrockneter Pflanzen bzw. Pflanzenteile, das sogenannte Herbarium. Dieses im Jahre 1818 begründete Herbarium bildet den größten und bedeutendsten Bestandteil der wissenschaftlichen Sammlungen der Berliner Forschungseinrichtung und gilt sogar als eine der 15 größten Sammlungen der Welt. Das Herbarium ist heute in 24 Archivräumen im Untergeschoss des Gebäudes vom Botanischen Museum untergebracht. Um dieses Weltkulturerbe ausreichend gegen den größten Feind, dem Feuer zu schützen, haben die Verantwortlichen eine umfassende Brandschutzlösung initiiert.

Optimal vor Feuer geschützt

Der Brandschutz in kulturellen Institutionen und ganz besonders in Archiven wie dem Herbarium des Botanischen Museums Berlin-Dahlem stellt ein hochkomplexes Aufgabengebiet dar, da ein Feuer leicht entsteht und in kürzester Zeit verheerende Zerstörung bewirken kann. Dies hatte das Botanische Museum bereits in der Nacht vom 1. zum 2. März 1943 leidvoll erfahren, als große Teile der Bibliothek und des Herbariums dem durch Bomben ausgelösten Brand des Museumsgebäudes zum Opfer fielen. Die zukunftsweisende Brandschutzlösung sollte die einzelnen Räume im Brandfall hermetisch abriegeln und trotzdem Zutritt ermöglichen. Eine plausible Erklärung für die zweite Anforderung gibt Karsten Schomaker, technischer Leiter der Einheit: „Unser Herbarium in Berlin erfreut sich großer Beliebtheit bei Wissenschaftler aus der ganzen Welt. Diese betreten die Archiv-Räume tageszeitunabhängig. Im Brandfall muss sichergestellt sein, dass der Austritt des Löschgases zu keiner gesundheitlichen Beeinträchtigung führt und Wissenschaftler und Angestellte die Räumlichkeiten unbeschadet verlassen können.“ Weiterhin erläutert der Verantwortliche für Technik, Brandschutz und Umwelt, warum die Realisierung dieses Projekts für ihn besondere Priorität hatte: „Ich sehe es als eine sehr komplexe Vorsorgemaßnahme an, die nicht auf die Erarbeitung und Einhaltung einer Brandschutzordnung beschränkt werden darf. Der Brandschutz ist in jeder Einrichtung dieser Art eine ständige Aufgabe, mit der man sich intensiv beschäftigen muss.“ Schomaker geht von der Erfahrung aus, dass Feuer immer und überall ausbrechen kann. Deshalb ist das Ziel darauf gerichtet, ein Feuer gar nicht erst entstehen und sich ausbreiten zu lassen. Das Botanische Museum Berlin-Dahlem hat deswegen verschiedene Brandabschnitte geschaffen, brandsichere Türen eingebaut und die sukzessive Mikroverfilmung und Digitalisierung der Herbarbelege eingeleitet. Diese Maßnahmen sind geeignet, im Not- bzw. Brandfall Schäden zu begrenzen.

Implementierung bei ‚laufendem‘ Betrieb

Geplant, ausgeschrieben und begleitet wurde das Projekt von der NGM Bauprojekt GmbH. Zum Einsatz kam schließlich KD-1230, eine Löschanlage der Kidde Brand- und Explosionsschutz, die mit dem Löschgas Novec von 3M arbeitet. KD-1230 erweist sich in der Praxis als umwelt-, exponat-, und humanverträgliche Methode. Das System bietet schnellen und sicheren Brandschutz, lässt sich platzsparend bevorraten, ist umweltfreundlich und bietet höchste Sicherheit in Bezug auf Personenschutz. Im Falle der 24 Magazinräume des Museums musste die Löschlösung bei „laufendem Betrieb“, also ohne die bestehenden Archivräume auszuräumen und nach der Installation wieder zu bestücken, implementiert werden. Um die Exponate bei den Arbeiten vor Staub und ggf. Flüssigkeiten zu schützen, wurden Regale, Arbeitstische und Archivschränke mit Folie eingepackt. Das Brandschutz-Projekt im Museumsarchiv startete Ende November 2006 und konnte 4 Monate später erfolgreich abgeschlossen werden. „Mit den Lösungen und den Arbeiten der Firma KBE waren wir mehr als zufrieden. Wir haben schnell festgestellt, dass hier Profis am Werk sind, auf die wir vertrauen können, “ resümiert Karsten Schomaker.

Konsistenz, Funktion und Wirkung von KD-1230 mit Novec 1230

Im Falle eines Brandes durch den automatischen Melder werden über eine Brandmeldezentrale im Technikraum die Alarmierungseinrichtungen ausgelöst. Nach Ablauf einer exakt definierten Verzögerungszeit erfolgt der Löschmitteleinsatz mittels Novec 1230. Dieses strömt durch die an der Decke befindlichen Löschdüsen in die zu schützenden Archivräume. Novec 1230 ist ein farbloses, nahezu geruchsloses Löschmittel, das Kohlenstoff, Fluor und Sauerstoff enthält. Bei Raumtemperatur ist Novec 1230 flüssig. Strömt das Löschmittel unter Druck aus der speziell für das KD-1230-System entwickelten Löschdüse aus, verdampft und verteilt es sich als gasförmiges Löschmittel im Löschbereich. Somit wird die wertvolle Pflanzensammlung geschützt. Aufgrund der Löscheigenschaften und der kurzen Flutungszeit von maximal 10 Sekunden kann ein Feuer in den Archivräumen des Berliner Herbariums binnen kürzester Zeit gelöscht werden. Von Vorteil ist dabei auch, dass das von Kidde Brand- und Explosionsschutz eingesetzte Löschmittel hohes Durchdringungsvermögen besitzt und eine homogene Vermischung der erforderlichen Löschkonzentration im Schutzbereich erreicht. Die Löschwirkung beruht auf physikalischen Gesetzen: Der Flamme wird Wärme bis zu einem Punkt entzogen, bei dem Verbrennungsreaktionen nicht mehr stattfinden können. Beim Ausströmen gibt es keine nennenswerte Sichtbehinderung. Die nicht korrosive und nicht elektrisch leitende Eigenschaft verursacht keine Schäden oder Rückstände an den zu schützenden Museumsstücken. Um das KD-1230-System auf die Bedingungen im Herbarium optimal anzupassen, arbeitet man bei KBE mit einer VdS- zugelassenen Software, die eine exakte Berechnung möglich macht. Das Löschmittel Novec 1230 wird in einem Löschmittelbehälter bevorratet und mit 42 bar Stickstoff überlagert. Nach einer Auslösung der Löschanlage wird Novec 1230 mittels einer Pumpe erneut in den Löschmittelbehälter gefüllt und mit Stickstoff überlagert. Eine Wiederinbetriebnahme der Löschanlage ist in kurzer Zeit möglich und Ausfallzeiten werden auf ein Minimum beschränkt. In Anbetracht der Tatsache, dass in den 24 Magazinräumen unterschiedlichster Größe u.a. Zeitzeugen aus dem 18. Jahrhundert lagern, stellt sich diese Brandschutzlösung als optimal heraus.